Pressemitteilung von Prof. Dr. Jürgen Rochlitz

Vorbemerkung:
Seit Oktober 2010 versuchte Herr Prof. Dr. Rochlitz mit der Umweltministerin Tack und dem Wirtschaftsminister Chistoffers unseres Bundeslandes zum Vorhaben GuD-Kraftwerk Wustermark einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Bis heute war es nicht möglich, dass ein anerkannter Wissenschaftler mit den Mitverantwortlichen seiner Partei „die Linke“ an einen Tisch kommen konnte. Wenn sie schon nicht uns zuhören wollen, dann doch wenigstgens ihren eigenen Wissenschaftlern. Aber diese scheinen immer nur willkommen, wenn sie das tun, was von der Politik gewünscht! Deshalb haben wir uns mit Herrn Prof. Dr. Rochlitz an einen Tisch gesetzt und hier stellen wir die Ergebnisse seiner Auswertung zum ROV nebst der kritischen Anmerkung zu den Ausführungen der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung als Pressemitteilung ins Netz.
Am Freitag den 13.Mai 2011 wird es mit dem Prof. eine Informations-/ Diskussionsveranstaltung in Brieselang geben. Genaueres wird noch bekannt gegeben.

Pressemitteilung: Gaskraftwerk Wustermark ist nicht politikverträglich

Nachdem die landesplanerische Beurteilung des Gas- und Dampfkraftwerks Wustermark im Rahmen des Raumordnungsverfahrens veröffentlicht wurde und viel Beifall von der Landesregierung bekam, muss hier festgestellt werden.
Dieses Gaskraftwerk ist nicht politikverträglich, weil in entscheidenden Punkten Bundesgesetze und Europäische Richtlinien nicht eingehalten werden:

In folgenden 5 Punkten ist dies der Fall: Es ist
1) zu groß und damit nicht flexibel genug
2) zu laut,
3) und emittiert zu viel NOx.
4) Es ist zu dicht an der Wohnbebauung und
5) zu ineffizient, weil Erdgas im energetischen Wert von 1000 Mega-Watt vergeudet wird.

1) Der Investor sieht fälschlicherweise in Brandenburg einen Markt für ein flexibel einsetzbares Gas- und Dampfkraftwerk der Größenordnung von 1.200 Mega- Watt, weil dieser Markt geprägt sei von Windkraftanlagen und den Braunkohle-Grundlastkraftwerken. Tatsächlich wird dabei übersehen, dass mittlerweile der Anteil der Solaranlagen kräftig zugelegt hat, sodass die Gesamtheit der Erneuerbaren Energieträger von bald 10 Terrawattstunden (TWh) allenfalls ein flexibel steuerbares Gaskraftwerk von deutlich geringerer Leistung benötigen würde.
Allerdings sei angemerkt, dass bei Realisierung des Gaskraftwerks seine ca. 11 TWh zusammen mit den beinahe 10 TWh der erneuerbaren Energieträgern ausreichen, um das Land Brandenburg zu versorgen mit einem zusätzlichen Export von 7 TWh; d.h. dann benötigte Brandenburg jedenfalls keine Braunkohlekraftwerke mehr.

2) Bei sämtlichen Emissionen (Stoffe und Schall) wird mit den gesetzlichen Grenzwerten gerechnet. D.h. Es gibt keine Bemühung den vorgeschriebenen Stand der Technik einzuhalten. Das Bundesimmissionsgesetz fordert – wie auch die relevanten EU-Richtlinien (IPCC, UVP) – den Einsatz der besten verfügbaren Technik und eine Minimierung der Immissionsbelastungen. Die berechnete Zusatzbelastung beim Dauerschallpegel von 1 dB im angrenzenden Wohnbereich wird relativiert mit Hinweisen auf die beachtliche Vorbelastung durch Verkehrslärm. Dies ist nicht hinzunehmen.

3) Die NOx-Emission von 3600 Tonnen im Jahr widerspricht ebenfalls den Vorgaben des BImSchG nach Einhaltung des Standes der Technik. Danach ist eine Emission von unter 20 mg/cbm möglich, wenn ein sogenannter SCR-Katalysator eingebaut würde mit der Folge von nur noch 1.400 Tonnen NOx.
Die NOx-Emissionen sind deswegen bedeutsam, weil „für den Großteil der Natura 2000-Gebiete bereits deutliche Überschreitungen der Critical Loads nach der Berner Liste „(S. 79 der Landesplanerischen Beurteilung) eingetreten sind. Damit einher geht eine deutliche Versauerung der Böden mit der Gefahr der Biotop- und Artengefährdung.
Zur Frage der Gefährdung der Biodiversität, der Tier-und Pflanzenarten wird auf S. 50 der Landesplanerischen Beurteilung ausgeführt:
„Das geplante Kraftwerk führt zu Beeinträchtigungen des Schutzgutes Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt und ist somit mit den umweltbezogenen Grundsätzen der Raumordnung zur Entwicklung, Sicherung und Wiederherstellung des Raumes in seiner Bedeutung für die Funktions- und Regenrationsfähigkeit der Tier- und Pflanzenwelt sowie zur Gestaltung von wirtschaftlichen Nutzungen des Raumes unter Berücksichtigung seiner ökologischen Funktion u n v e r e i n b a r.
Es werden daher „Vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen“ vorgeschlagen, ohne diese besonders zu benennen (S.49).

4) Weder vom Investor noch von der Landesplanung wurde eine eingehende Betrachtung der Anwendung der Störfall-Verordnung vorgenommen. Die Landesplanung hat sich auf eine Aussage des Investors verlassen, der mitteilte, dass Erdgas in deutlich geringerer Menge „gelagert“ würde als dem Schwellenwert der Störfall-VO entspräche. Dabei ignoriert die Landesplanung, dass es nicht auf die gelagerten Mengen ankommt sondern auf die insgesamt auf dem Betriebsgelände befindlichen Stoffmengen. Bei 170 Tonnen Erdgas pro Stunde ist davon auszugehen, dass auf dem Betriebsgelände in den Rohrleitungen bis zur Gasturbine mindestens 5o Tonnen vorhanden sind.
Damit würde die Anlage unter die Störfall-Verordnung fallen und nicht nur die Abstandsleitlinie des Landes Brandenburg einzuhalten sein, sondern auch die sich aus der Störfall-VO ergebende Abstandsempfehlung.
Die Behauptung der Landesplanung, es gäbe“ keine Betriebsbereiche, die im Havariefall „schwere Unfälle“ i.S. von Art. 3, Ziff. 5 der sogenannten Seveso-Richtline (96/82/EG) verursachen können“, ist daher noch nicht begründet zu betrachten! Im Übrigen sollten bei derartigen Berechnungen die Erfahrungen von Fukushima bedacht werden, wo ja – wie weltweit – Eintrittswahrscheinlichkeiten und Schadensausmasse für zu gering angenommen wurden.

5) Bedauerlicherweise hat weder der Investor in seinem Raumordnungsantrag, noch die Landesplanung an keiner Stelle den Bruttowirkungsgrad des Kraftwerks angegeben. Es ist davon auszugehen, dass der angegebene Nettowirkungsgrad von 59% deutlich gesenkt wird durch den Betrieb der Ventilatoren und durch weitere Bedarfe im Kraftwerk. Wenn damit ein Gesamtwirkungsgrad von 50% erreicht wird, nützt die hochgezüchtete Turbine von Siemens gar nichts. Dann wird die Hälfte des eingesetzten Erdgases zur Aufheizung der Luft verwendet: eine Vergeudung und Verschwendung ohne gleichen. Mit den so verlorenen 1000 Megawatt Feuerungsleistung könnte man 5 kleine, feine, dezentrale Gaskraftwerke betreiben, die sogar noch mit Kraftwärmekopplung betrieben werden könnten.

Mit dieser katastrophalen Ineffizienz stellt dieses Gaskraftwerk einen Bremsklotz dar für die Erneuerbaren Energien, für deren in Brandenburg ansässigen Industrien und für jede weitere Kraftwerks- und Netzmodernisierung.
Und jeder, der heute in seinen Energiekonzepten Energieeinsparung und Effizienzsteigerung an vorderster Stelle formuliert, macht sich vollends unglaubwürdig, wenn er diesem Kraftwerk zustimmt.

PS.: Prof. Dr. Jürgen Rochlitz ist Mitglied des dreiköpfigen geschäftsführenden Vorstands des BBU (Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz), er ist als wissenschaftliches Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit (KAS) beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit tätig.

Veröffentlicht im Auftrag!
Frohe Ostern und einen fleißigen Osterhasen wünschen herzlichst die BI gegen das GuD-Kraftwerk

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Eine Antwort

  1. kann man de drews nicht einfach wegen korruption verklagen ?

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